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Körperlogik Teil 2: Sicherheit vor Kontrolle - Das biologische Fundament für Veränderung

"Ich bin wieder dysreguliert"


Viele Menschen beginnen sich mit dem Nervensystem zu beschäftigen – und entwickeln dabei ein neues Ideal.

Ein reguliertes Nervensystem ist ruhig. Gelassen. Immer stabil. Unerschütterlich.

Und sobald innere Unruhe auftaucht, Herzklopfen, Spannung oder emotionale Intensität, entsteht schnell der Gedanke:


Ich bin wieder dysreguliert.


Doch genau hier liegt ein Missverständnis.

Regulation bedeutet nicht Abwesenheit von Aktivierung. Regulation bedeutet Beweglichkeit.




Warum Lebendigkeit nichts mit Dysregulation zu tun hat


Aktivierung ist kein Fehler

Ein gesundes Nervensystem kennt Aktivierung.

Sympathische Energie zeigt sich in:

  • Klarheit

  • Fokus

  • Motivation

  • Wut

  • Begeisterung

  • Tatkraft


Herzklopfen kann Ausdruck von Freude sein. Anspannung kann Ausdruck von Engagement sein. Schneller Atem kann Ausdruck von Lebendigkeit sein.

Das Problem ist nicht Aktivierung. Das Problem ist Steckenbleiben.

Ein reguliertes System darf hochfahren – und wieder herunterfahren.

Es darf sich engagieren – und wieder entspannen.

Es darf sich berühren lassen – und wieder in sich ruhen.

Regulation ist also kein statischer Zustand. Sie ist ein dynamischer Prozess.


Wenn Ruhe sich nicht sicher anfühlt

Für viele Menschen mit chronischer Stressgeschichte fühlt sich „Ruhe“ zunächst gar nicht angenehm an.

Wenn ein System lange in Alarm war,kann Entspannung Unsicherheit auslösen.

Plötzlich ist da Raum.Und im Raum tauchen Gefühle auf.Erinnerungen.Leere.Manchmal auch Traurigkeit.

Deshalb greifen manche Menschen unbewusst wieder zur Aktivierung.

Mehr Arbeit.Mehr Kontrolle.Mehr Denken.Mehr Essen.

Nicht aus Schwäche.Sondern weil Aktivierung vertrauter ist als Stille.

Regulation bedeutet hier nicht, sich zur Ruhe zu zwingen.Sondern Sicherheit in verschiedenen Zuständen aufzubauen.


Die drei Bewegungen eines regulierten Systems

Ein reguliertes Nervensystem kann:

  1. Aktiv werden.

  2. Zurückschwingen.

  3. In Verbindung gehen.


Es kann kämpfen, wenn es nötig ist. Es kann ruhen, wenn es möglich ist. Und es kann Kontakt aufnehmen, ohne sich zu verlieren.

Wenn diese Flexibilität fehlt, entstehen Extreme.

Dauerhafte Anspannung. Oder dauerhafte Erschöpfung.

Oder der Wechsel zwischen beidem.

Viele Menschen mit Insulinresistenz oder Typ-2-Diabetes leben in genau diesem Spannungsfeld.

Stress aktiviert. Erschöpfung bremst. Selbstvorwürfe erhöhen wieder Stress.

Ein Kreislauf entsteht.

Doch nicht, weil das System „falsch“ funktioniert. Sondern weil es keine sichere Mitte mehr kennt.


Warum dieses Missverständnis so relevant ist

Wenn wir Regulation mit „immer ruhig sein“ verwechseln, setzen wir uns einem neuen Perfektionismus aus.

Dann wird sogar Lebendigkeit zum Problem.

Dann wird jede innere Welle als Rückschritt bewertet.

Doch Gesundheit bedeutet nicht Gleichmäßigkeit. Gesundheit bedeutet Anpassungsfähigkeit.

Ein Herz schlägt nicht in einer geraden Linie. Es variiert. Genau diese Variabilität ist Zeichen von Vitalität.

Auch das Nervensystem braucht diese Variabilität.


Regulation im Kontext von Veränderung

Wenn du beginnst, Ernährung oder Bewegung zu verändern,wird Aktivierung auftauchen.

Vielleicht Unsicherheit. Vielleicht Widerstand. Vielleicht alte Emotionen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass du aufhören solltest. Aber es bedeutet, dass dein System beteiligt ist.

Ein traumasensibler Ansatz fragt deshalb nicht:

Wie halte ich die Aktivierung aus?


Sondern:

Wie kann ich sie so begleiten, dass sie sich nicht bedrohlich anfühlt?


Regulation heißt nicht, Intensität zu vermeiden. Regulation heißt, Intensität tragen zu können.

Und manchmal ist der erste Schritt nicht, ruhiger zu werden. Sondern die eigene Lebendigkeit nicht länger als Fehler zu betrachten.


Wenn du möchtest, gehe ich jetzt direkt weiter mit:

Wie könnte es weitergehen?


„Wenn du spürst, dass dein Körper sich nach genau dieser Art von Raum sehnt, findest du hier mehr Informationen zu meiner Begleitung.


Du darfst dort in Ruhe weiterlesen und für dich fühlen, ob das gerade passt – ohne jede Entscheidungslast“.


Hinweis

Die Inhalte dieser Blogreihe dienen der Information, Einordnung und Reflexion.Sie ersetzen keine medizinische Diagnose, keine ärztliche Behandlung und keine Psychotherapie.

Bei bestehenden Erkrankungen – insbesondere bei Insulinresistenz, Diabetes oder anderen Stoffwechselstörungen – wende dich bitte an deine behandelnde Ärztin, deinen Arzt oder deine Diabetologin bzw. deinen Diabetologen. Änderungen an Medikation, Therapie oder Ernährung sollten stets in fachlicher Abstimmung erfolgen.

Mein traumasensibler Ansatz versteht sich als ergänzende Begleitung auf körperlicher und nervensystemischer Ebene – nicht als Ersatz für medizinische oder psychotherapeutische Versorgung.

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